Die Einweihung der Kyllbrücke

1951 - Dankandacht und Festakt – Neue Brücke in alter Schönheit

Brückenweihe 1951

Wer kennt nicht das schöne Fleckchen Erde in dem reizenden Tale der Kyll? Der Ort wird erstmals im Jahre 893 in der Geschichte erwähnt. Prächtig steht das Schloss auf uralter Gerichtsstätte. Ein schlichter Altbau mit schmalem Turm (907 erbaut), hinter einem weiten Hof das neue Schloss des Kölner Weihbischof von Veyder (1701 erbaut), ein alter Barockbau mit weiter, das Kylltal beherrschenden Terrasse im halbrunden Garten, die Götterfiguren und Bilder der Jahreszeiten schmücken.
Das Schloss ist glücklich, dem Schicksal so vieler Burgen entgangen zu sein. Es ist die einzige Burg im Kylltal, die noch von direkten Nachkommen eines der alten Geschlechter bewohnt wird. Uns führt die Schlossherrin durch die weiten Gemächer des Barockhauses, die trotz sinnloser Kriegs- und Nachkriegszerstörung noch manches von der Ausstattung des 18. Jahrhunderts zeigen. Wunderschön ist der Blick auf das Dorf im Schatten des Schlossberges, das Kylltal, die waldigen Berge, die so oft in den Jahren 1922, 1924 u. 1929 das volkstümliche Tellspiel sahen. Gerne erinnert man sich jener Jahre, die ein wahres Bild von Volksgemeinschaft bezeugen. An die 200 Mitwirkende fesselten allsonntäglich in glanzvoller Leistung Tausende von Zuschauern unter Leitung ihres Pastors, des Dechanten Heidger, dessen Leben in diesen Tagen durch das goldene Priesterjubiläum gekrönt wird.

Mit großen Gütern sind die Malberger nicht gesegnet und hart ist ihr Tagewerk, aber dennoch lebt hier ein aufgeschlossenes, lebensfrohes und ebenso fleißiges Völkchen. Die Ackernahrung ist äußerst beschränkt und durch die vielen Hangfelder und Splitterparzellen der ehemaligen Hopfenterrassen schwierig zu bewirtschaften. Seit Jahrhunderten war es daher das Bestreben, auf andere Art und Weise den täglichen Lebensunterhalt zu erwerben. Schon 1749 wurde eine Eisenhütte gegründet, die heute noch in der Eifeler Metallwarenfabrik (Eifelwerk Heinrich Stein u. Cie.) fortbesteht und zum Segen der Malberger einem Großteil Arbeit und Brot gibt.

Aber auch die Sandsteinindustrie des Kylltales, die schon die Römer bekannt war, ist hier beheimatet und bot einst über 100 Steinmetzen, Arbeitern und Fuhrleuten eine Existenz. Heute ist sie nur noch zum Teil beschäftigt und das Steinmetzehandwerk führt seine Tradition in dem weitbekannten Steinmetzbetrieb Wilhelm Weis in Malberg fort. Eine stattliche Anzahl Steinmetzen hilft freudig beim Wiederaufbau zerstörter Häuser, Kirchen, Schulen, Verwaltungsgebäuden, Burgen und Brücken, indem emsig Messwerksteine aus rotem und weißem Sandstein hergestellt werden.

Inmitten des Dorfes steht die in den Jahren 1905/07 erbaute neugotische Kirche mit ihrem künstlerischen Hochaltar und dem herrlichen Glockengeläute. Alljährlich erinnern am 4.März die Glocken der St. Quirinus- Kirche die Malberger an jenen Tag, der für sie das Kriegsende brachte. An diesem Tage finden sie sich zu einem Dankgottesdienst zusammen.

Wiederum riefen die Glocken am Sonntag zu einer Dankandacht mit anschließender Prozession. Dieses Mal galt es, die Einweihung der wiederaufgebauten KYLLBRÜCKE zu vollziehen, die am vorletzten Kriegstag gesprengt wurde.

Nach der von Pastor Volk gehaltenen Dankandacht bewegte sich die Prozession zur festlich geschmückten Kyllbrücke. Das Schulkind Maria Schuster trug ein Gedicht vor. Der Kirchenchor Malberg, unter Führung seines jungen Dirigenten Willi Rodermann, trug dazu bei, mit schönem Gesang die Dankandacht und auch die Brückeneinweihung festlich zu gestalten. Auch der Musikverein Malberg, unter Leitung von Willi Rodermann, trug mit seinen Vorträgen zum schönen Gelingen der Feier bei.

In seiner Ansprache hieß Amtsbürgermeister Föst zunächst alle so überaus zahlreich zur Feierstunde Erschienenen, darunter als Ehrengäste Regierungsassessor Blettner, Kreisbaumeister Reichert, den Kreistagsabgeordneten und 1. Amtsbeigeordneten, Mühlenbesitzer Zahnen, die Witwe des Bauunternehmers Kronibus, und Steinmetzmeister Wilhelm Weis, herzlich willkommen. Dem durch Tod mitten aus der Arbeit gerissenen Brückenbauunternehmer Ing. Nikolaus Kronibus widmete er ein ehrendes Gedenken. Für die Gemeinde Kyllburg und Malberg bedeutet sein Tod einen herben und bitteren Verlust.

Brückenweihe 1951

In seinen weiteren Ausführungen würdigte der Amtsbürgermeister die Bedeutung des Tages und legte die Notwendigkeit des Wiederaufbaues der Brücke dar. Im Namen der Gemeinde dankte er der Landesregierung für die aus Bundes- u. Landesmitteln bereitgestellte Beihilfe, der Gemeinde für den bewiesenen Opfersinn, dem Regierungspräsidenten und Wasserwirtschaftsamt, der Landwirtschaftskammer und allen, die das Werk und seine Finanzierung möglich machten, für die gewährte Unterstützung, ebenso dem Kreisbauamt, den Unternehmern und Arbeitern, die hier ein Werk erstehen ließen, auf das die Erbauer mit Recht stolz sein könnten, ein Werk, das in alter Schönheit wieder erstanden, das sich einem herrlichen Landschaftsbild anpasst.

Mit dem Wunsche „Möge sie fürder bestehen, ewigen Friedens sich freuen“, übergab der Amtsbürgermeister die Brücke. Bürgermeister Bell, Malberg, dankte dem Amtsbürgermeister für die unermüdlichen Bemühungen zum Gelingen des Bauwerkes in finanzieller Hinsicht und durchschnitt das weiße Band.

Pastor Volk, dessen mutigen Vorgehen in die feindliche Stellung nach Malbergweich am 4.3.1945, zu verdanken ist, dass die vom Amerikaner befohlene und bereits begonnene Einäscherung des Ortes wieder eingestellt wurde, sprach in seiner in herzlichen Worten gehaltenen Ansprache den Dank der Gemeinde aus. Sodann nahm er die Einsegnung der Brücke vor. Die Einweihungsfeier schloss mit dem gemeinsamen Lied „Großer Gott wir loben Dich“.

Neidenbachbrücke

Gleichzeitig mit der Kyllbrücke begannen die Aufbauarbeiten an der durch den Krieg ebenfalls zerstörten Neidenbachbrücke am Pfarrhaus. Die einheimische Baufirma Niederprüm stellte selbe Betonbrücke wieder her. Die darin verwandten Eisenträger stammen aus gesprengten Bunkern des ehemaligen Festungsgürtels der unteren Westgrenze, dem Westwall.