"Ohne die Feuerwehr ist endlich Ruhe im Dorf"

Nach lange schwelendem Streit warfen die Mohrweiler
Floriansjünger endgültig das Handtuch

27. August 1993

Auf den Gedanken, eine der zahllosen Freiwilligen Feuerwehren in der Eifel aufzulösen, käme wohl niemand. Die wackeren Spritzenleute seien eine "heilige Kuh", an die sich niemand ungestraft heranwagen dürfe, hatte erst kürzlich eine nicht minder wackere Ratsfrau aus Speicher treffend bemerkt. Dass jetzt im 200-Seelen-Dörfchen Mohrweiler bei Kyllburg ein solches Sakrileg begangen wurde, die örtlichen Floriansjünger sich (zumindest teilweise) gar selbst das Wasser abgruben, muss daher aufhorchen lassen.
Es geschah im März dieses Jahres, als der seit über zehn Jahren amtierende Wehrführer des Dorfes von heute auf morgen den Schlauch für immer aus der Hand legte. "Irgendwann", sagte Ewald Glaser, "hat mir die Sache gereicht". Mit dem Rücktritt des Wehrführers bröckelte auch der kümmerliche Rest der einst so stolzen Truppe auseinander. Von den zuletzt verbliebenen sechs Floriansjüngern war niemand mehr bereit, die Mohrweiler Wehr zu führen.
"Ob es da Querelen gab, weiß ich nicht, und es interessiert mich auch nicht", sagte der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Kyllburg, Matthias Kootz. Andere geben sich weniger zugeknöpft, deuten mehr oder weniger offen an, dass es im idyllischen Mohrweiler rund um die Wehrleute einen handfesten Krach gegeben haben muss, dem der einzig im Dorf verbliebene Verein letztendlich zum Opfer fiel.
Es ist noch gar nicht so lange her, da lief ohne die stolzen Wehrmänner in Mohrweiler so gut wie nichts. Ob bei den zahllosen Festivitäten im Dorf, beim Bau der Bushaltestelle oder als es darum ging, Geld für die Bleiverglasung in der Leichenhalle zu spenden, immer standen die Mohrweiler Spritzenleute treu und brav ihren Mann.
Doch mit den zunehmenden Aktivitäten der Wehr wuchsen auch die anfangs leisen, später immer lauter werdenden Kritiken an den Vereinsmonopolisten. Gerüchte wurden in die Welt gesetzt, zerplatzten wieder oder fanden fruchtbaren Nährboden. "Man hat schon immer versucht, uns die Sache madig zu machen", sagt Ewald Glaser.
Für Außenstehende ist "die Sache" kaum zu durchschauen.
Von einem "weggepachteten Grundstück" ist da die Rede, von "verschmutztem Trinkwasser", "ausgelaufenem Öl" oder "stinkenden Müllsäcken". Nichts Genaues weiß oder sagt niemand. Irgendwann ist das Fass halt übergelaufen, hat erst der Wehrführer und schließlich auch der Rest der Truppe den ganzen Kram hingeschmissen. "Seit die Feuerwehr nicht mehr besteht, ist endlich Ruhe im Dorf", sagt ein örtlicher Gastronom.
So rasch ging das, dass selbst ein erst vor anderthalb Jahren fertig gestelltes Feuerwehrgerätehaus nicht mehr standesgemäß eingeweiht werden konnte. "Das Feuerwehrhäuschen wäre auch gebaut worden, wenn die heutige Situation schon damals bestanden hätte", rechtfertigt VG-Chef Kootz die Investition. "Da muss etwas vorgehalten werden", sagt der Kyllburger Wehrleiter Manfred Heinen. Für den Brandschutz und die Wartung der Mohrweiler Gerätschaften seien künftig die Malberger Floriansjünger zuständig.
Matthias Kootz glaubt, dass die Malberger Wehr jetzt Zulauf bekommt von Mohrweiler, denen der Zwist im Ort die Löschfreuden noch nicht gänzlich verdorben hat. "Kein einziger Mohrweiler wird in die Malberger Feuerwehr eintreten", glaubt hingegen ein Einheimischer, der es eigentlich besser wissen muss. Und ganz so glücklich, jetzt auch Mohrweiler betreuen zu müssen, seien die Malberger Wehrmänner auch nicht, sagt ein anderer hinter vorgehaltener Hand.
Für den Ernstfall hängt am Mohrweiler Feuerwehrgerätehaus ein Glaskasten, der nur eingeschlagen werden muss, um an den Türschlüssel zu kommen. "Es gibt ja ‚ne Reihe Leute hier, denen notfalls die Handhabung einfacher Geräte vertraut ist", sagt Bürgermeister Kootz. Außerdem, fügt der VG-Chef hinzu, gebe es noch die "Möglichkeit der Zwangsverpflichtung, wenn keine freiwillige Bereitschaft besteht". Aber "davon wollen wir so schnell noch keinen Gebrauch machen".

 

Feuerwehrgerätehaus in Mohrweiler

Haus ohne Hüter:
Im Eifelörtchen Mohrweiler gibt es ein neues Feuerwehrgerätehaus aber keine Florianjünger mehr

Bericht & Foto:
TV - Rolf Seydewitz