Malberg stand im Zeichen Wilhelm Tells

Aufführungen des Schiller-Dramas um den Volkshelden waren Höhepunkt der 1100 -Jahr-Feier

24. Juli 1993

Wilhelm Tell Aufführung 1993

Wenn in der jüngeren Vergangenheit in Zusammenhang mit dem Eifelort Malberg die Rede von der "Tellgemeinde" war, dann wussten längst nicht alle, was damit gemeint war. Spätestens seit dem vergangenen Wochenende dürfte dies aber auch für die jüngere Generation deutlich geworden sein: Nachdem in den Jahren 1922, 1924 und zuletzt 1929 Schillers Drama "Wilhelm Tell" insgesamt 43 mal in Szene gesetzt wurde, konnte die "Spielgemeinschaft Tell" des Jahres 1993 Auszüge des historischen Stückes im Rahmen der 1100 Jahr-Feier der Gemeinde präsentieren. Und man darf es vorwegnehmen, beide Aufführungen waren gut besucht und wurden zu einem überragenden Erfolg. Eindeutig waren sie die Höhepunkte des runden Gemeindegeburtstages.

Wohl auch ein Zeichen der Zeit, dass die Aufführungen in kleinerem Stil als zu Beginn des Jahrhunderts über die Bühne gingen. Bis zu 300 Mitwirkende konnte der damalige Initiator Pastor Karl-Peter Heidger, dem man später auch den "Tell-Pastor" nannte, mobilisieren. Mehr als 100 000 Besucher fanden seinerzeit den Weg nach Malberg. "Diese Größenordnung konnte für uns nicht der Maßstab sein", so Renate Kappes und Elisabeth Krupp, die beide für das Bühnenbild und die Regie verantwortlich zeichneten. Und dennoch wurden die Aufführungen zu einem großen Erfolg, der den rund 50 Akteuren viel Lob und Anerkennung einbrachte. "Es gibt Theatervorführungen, die kann man sich ansehen, es gibt aber auch welche, die muss man sich ansehen", so einer der Besucher am Rande der Veranstaltung.
Was den Zuschauern imponierte, war zunächst die Tatsache, dass es im historischen Jahr 1993 überhaupt möglich war, die Aufführungen zu präsentieren. Beeindruckt war man darüber hinaus über die perfekte Beherrschung der schwierigen Wortpassagen des Stückes, die in ihrer Wortwahl dem historischen Geschehen des Jahres 1291 angepasst waren und für heutige Verhältnisse eher Zungenbrecher darstellen.

Schauspieler

Was dem aufmerksamen Zeitgenossen von heute durchaus als gegenwärtig vorkommt, ist der Inhalt des Stückes um den Schweizer Nationalhelden Wilhelm Tell, geht es hier doch um den Zusammenschluss der drei Urkantone Uri, Schwyz und Unterwalden und damit um den beginnenden Unabhängigkeitskampf gegen Habsburg. Die Fremdherrschaft der Österreicher provozierte die Notwehr der Schweizer, deren Existenz bis dahin idyllisch und vom Kreislauf der Natur umfangen war. Nun wurde das natürliche Gleichmaß des Lebens zerstört, und es oblag Wilhelm Tell, das Volk aus der verlorenen Idylle zu einer neuen zu führen.

Rütli-Schwur

Das Szenenfoto zeigt den berühmten Rütli-Schwur,
wo geschworen wird,
ein einzig Volk von Brüdern zu sein,
frei zu sein und wie die Väter waren,
eher den Tod wählen, als in Knechtschaft zu leben.
Als er in Altdorf dem dort ausgestellten Hut des Reichsvogt Geßler die vorgeschriebene Ehrbezeugung nicht erweist, wird er festgenommen.
In der berühmten Apfelschussszene wird Tell gezwungen, seinem Kind einen Apfel vom Kopf zu schießen, um den Sohn und sich zu retten. Da Tell nicht verhehlt, dass im Falle eines Fehlschusses der zweite Pfeil dem Reichsvogt gegolten hätte, lässt dieser ihn verhaften. Bei der Fahrt über den stürmischen See kann Tell sich befreien. Sein ganzes Streben gilt fortan der Tötung des Reichsvogts, die er dann auch vollendet.

Gegen Ende des Stückes flüchtet Johannes Parricida, der Herzog von Schwaben, der aus Eigensucht zum Vater- und Kaisermörder geworden ist, in Tells Haus. Tell zwangen Notwehr und Gerechtigkeit zum Töten, daher lehnt er den Vergleich der beiden Taten ab. Beendet wird das Drama, in dem sich die Eidgenossen vor Tells Haus versammeln und Berta von Bruneck dem Rudenz die Hand fürs Leben reicht. Daraufhin erklärt Rudenz seine Knechte zu freien Eidgenossen.

Wilhelm Tell und Hermann Geßler

Wilhelm Tell mit Armbrust, die Hauptrolle besetzt mit Erich Schuster,
und Reichsvogt Hermann Geßler, gespielt von Willi Locker.
Die beiden Hauptdarsteller in den vom Kostümverleih besorgten typischen Kleidern.

Das alles in Szene zu setzen, war sicherlich nicht einfach. Ungezählte Stunden der Vorbereitung haben deshalb auch zwischen dem ersten Gedanken und der Premiere gelegen. Aufgewertet wurden die Aufführungen selbstverständlich durch die historische Kulisse im Hintergrund, war die eigens erbaute Freilichtbühne doch im Hofgarten des Barockschlosses aufgebaut. Alle Verantwortlichen wurden von den Festrednern gelobt. Ortsbürgermeister Friedel Hargarten nannte das Ereignis bedeutsam und Zeugnis großen Gemeinschaftsgeistes zugleich. Bürgermeister Matthias Kootz sprach in seinem Grußwort von dem großartigen Engagement der Malberger, die mit der 1100 Jahr-Feier und der Aufführung der Tellspiele einen besonderen Akzent zu setzen vermögen und damit dem Ort und der Kyllburger Waldeifel weit über die regionalen Grenzen zu Anerkennung verhelfen. Renate Kappes, selbst als fehlerfreie Erzählerin immer wieder am Mikrofon, bat am Ende ihre Kollegin Elisabeth Krupp auf die Bühne, die für die Regie den Applaus der Gäste ernten konnte.
Die Spielgemeinschaft Tell, überwiegend bestehend aus den Mitgliedern der Theatergruppe Malberg und ergänzt durch viele freiwillige Laienschauspieler, zeigte gekonntes Theaterspiel. Die Namen aller Akteure zu nennen, hieße diesen Rahmen zu sprengen.
Sie sind einer bei der Veranstaltung ausgeteilten Schrift zu entnehmen. Stellvertretend für alle sollten zwei der Hauptdarsteller Erwähnung finden, nämlich Wilhelm Tell, gespielt von Erich Schuster, und Reichsvogt Geßler, dargeboten von Willi Locker. Umrahmt wurden beide Aufführungen vom Musikverein Tell und vom Kirchenchor Cäcilia, beide aus Malberg.
Worte des Dankes fanden die Organisatoren auch für Gustav Heinz und seine Helfer, die für den Bühnenaufbau verantwortlich zeichneten.
So wurde die erneute Aufführung der Tellgeschichte vor den Augen vieler Lokalpolitiker und Persönlichkeiten sowie einer großen Schar begeisterter Gäste von nah und fern zu einem erwähnenswerten Ereignis in Malberg. Wie die gesamten Feierlichkeiten der 110 Jahr-Feier werden die beiden Aufführungen berechtigten Eingang in die Chronik des Orts finden. Mit Stolz und Recht kann Malberg auch fortan den Zusatz "Tellgemeinde" führen