Tellspiel 1924

Im Sommer 1924 hat die "Eifeler Volksbühne e.V." nach großen Umänderungen der Bühne und des Zuschauerraumes vom Pfingstmontage an wieder jeden Sonntag bis Mitte September Schillers Wilhelm Tell aufgeführt.

3 schöne Blockhäuser waren auf der Bühne neu errichtet worden; das Stauffacherhaus, Tellhaus und die Fischerhütte.

Die Bühne war bedeutend vergrößert worden. Auf dem Zuschauerraum war ein schönes Zelt errichtet, das 2200 Sitzplätze hatte. Der Zimmermeister Arens von Malbergweich, der Zelt und Blockhäuser errichtet hatte, bekam über 12.000 M. Die Vorbereitungen waren großzügig und der Erfolg auch dementsprechend.

Die Gesamtleitung hatte wieder Pfarrer Heidger und die Spielleitung Hauptlehrer Herber. Die Darsteller der Hauptrollen waren dieselben wie 1922 bis auf Walter Fürst und die Tellknaben.

Walter Fürst spielte der in Malberg geborene, jetzt in Kyllburg wohnhafte Finanzsekretär Matthias Weis sehr schön. Walter Tell wurde von dem Schüler Karl Schuster (13 Jahre) dargestellt. Er zog durch sein Spiel die Aufmerksamkeit der Zuschauer auf sich, weil er nicht nur spielte, sondern alles miterlebte. Der kleine Wilhelm Tell wurde von dem Schüler Peter Weis (9 Jahre alt) echt kindlich dargestellt. Alle Spieler gaben wieder ihr Bestes her, so dass die Zuschauer stets mit großer Befriedigung den Platz verließen.

An vielen Sonntagen war alles ausverkauft. Von den Morgenzügen an war großes Leben auf den Straßen. Besonders stark war der Autoverkehr (oft 30-40 Wagen). Eine Vorstellung für Schüler war an einem Werktage (29.7.24). Über 5000 Kinder waren mit ihren Lehrern gekommen, um das so berühmt gewordene Malberger Tellspiel zu sehen. Leider setzte nach der Pause ein starker Regen ein, so dass die Kinder nicht den richtigen Genuss hatten. Im August setzte nun ein Dauerregen ein, der die Monate August und September anhielt. Wir spielten zwar bis Mitte September, aber an den letzten Sonntagen war durch den Regen der Besuch sehr zurückgegangen.

Die Beurteilung unseres Spieles war in der ganzen Presse wieder sehr günstig. Extrazüge waren jeden Sonntag von und nach Trier eingelegt. Außerdem kamen noch Extrazüge von Andernach, Mayen u. sogar einer von Püttlingen bei Saarbrücken. Letzterer war von Kaplan Schwickerath, ein geborener Kyllburger, sehr schön organisiert.

Eine schöne Musikkapelle und der Kirchenchor konzertierten vor dem Spiele auf der Bühne. An einem Sonntage war die Zigarettenfirma Neuerburg, Trier, mit 1.500 Angestellten im Extrazug gekommen.

Der Bruttoerlös der Tellspiele war über 45.000 M. Die Unkosten betrugen über 32.000 M, was den Leuten unverständlich ist. So blieb uns ein Reinerlös von etwa 12.600 M. Dieser soll hauptsächlich für die Kirche verwandt werden.

Weil im Sommer 1924 die Lage der Industrie sehr schlecht war, haben wir der Eifeler Metallwarenfabrik GmbH hilfreich unter die Arme gegriffen, indem wir ihnen Geld leihten, um ihre Arbeiter u.s.w. bezahlen zu können. Dass die Fabrik und damit der spätere Verdienst den Malberger Leuten erhalten blieb, ist lediglich der Unterstützung durch das Tellgeld zuzuschreiben.

Das war somit schon ein großer sozialer Erfolg unseres Spieles, der allseits anerkannt wurde.