Tellspiel 1929

Der Sommer 1929 führte wieder viele Leute nach Malberg. Die Eifeler Volksbühne E.V. führte im 3. Jahre Schillers Wilhelm Tell auf und zwar an 10 Sonntagen und einem Werktage vom 7.Juli bis 8.September. Da im Dezember 1927 das Hochwasser und der Sturm die so genannte Tellhütte auf der Bühne zu Fall gebracht hatten, wurde die ganze Bühne vergrößert. Das Stauffacherhaus blieb stehen. Daran schlossen sich nun die Burg des Attinghausen an und dann das Tellhaus mit Garten davor.

Die Bühne hatte durch die gute Anordnung der Häuschen an Raum gewonnen, so dass sich das ganze Spiel besser entfalten konnte. Der Zuschauerplatz war nach einem Plane des Bauunternehmers Witt von Kyllburg hergerichtet worden. Es waren der allgemein Wirtschaftlichen schlechten Lage entsprechend nur 1000 Sitzplätze gemacht worden. Überdacht waren Loge A, B, u. Teile des 1. Platzes. Die Leitung der Vorbereitungen und des Spiels lag wieder in den Händen von Dechant Heidger und Hauptlehrer Herber. Die Darsteller der Hauptrollen waren größtenteils dieselben. Die Darstellerinnen der Frauenrollen (Berta, Frau Stauffacher, Frau Tell) ließen es sich nicht nehmen, auch diesmal mitzuwirken, obwohl sie inzwischen verheiratet waren. Sie spielten ihre Rollen ausgezeichnet. Walter Tell wurde von dem 14 Jahre alten Peter Weis (1924 Wilhelm Tell) ganz ausgezeichnet dargestellt. Der kleine Wilhelm Tell war der 10 jährige Schüler Franz Rodermann, der Fischerknabe Josef Rodermann und Seppi, der Hirtenknabe, Anton Bell (14 Jahre alt). Der ausgewanderte frühere "Harras" war gut von dem Straßenwärter Karl Weis gespielt worden.

Alle Spieler gaben ihr Bestes her und die meisten erlebten das Spiel, was sehr viel zur Wirkung beitrug. Das Wetter war an sämtlichen Spielsonntagen ausgezeichnet. Trotz der schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse war das Spiel stets gut besucht. Wie in den zwei anderen Jahren, so war reges Leben im Orte schon von dem Hochamte an.

Von nah und fern kamen die Zuschauer mit dem Zuge und mit großen Verkehrswagen (Autos mit 30 Verkehrswagen, Autos mit 30-40 Personen). Besonders stark war der Besuch aus dem Großherzogtum Luxemburg. Auch der Herr Oberpräsident der Rheinprovinz, Dr. Fuchs, und der Vertreter des Landeshauptmannes hatten uns mit ihrem Besuche beehrt.
Am 23.Juli fand auch wieder eine Schülervorstellung statt, die von 1500 Kindern besucht war. Leider kam nach der Äpfelschussszene ein schweres Gewitter. Das Spiel konnte wohl beendet werden, aber durch das Krachen des Donners war die Aufmerksamkeit fort. An den 11 Spieltagen hatten etwa 20 000 Zuschauer das Spiel besucht.
Die Reklame war beschränkt gehalten. Das Spiel hatte sich selbst empfohlen. Die Beurteilung in der ganzen Presse war wieder sehr gut wie der nachfolgende Artikel von Dr. Mathar zeigt.

Der Bruttoerlös war 15613 RM. Der Reingewinn betrug 5800 RM. Dieser soll für den 1928 neu beschafften, modern gehaltenen Hochaltar sein.
Am letzten Spieltage war wieder ein Sonderzug unter Führung von Kaplan Schwickerath aus Püttlingen mit einer ausgezeichneten Bergmannskapelle gekommen. Sie trugen mit zu einem schönen Abschluss bei.
Da die Spieler wieder alles unentgeltlich getan hatten, fand am 15.September (Sonntag nach dem letzten Spieltag) auf dem Tellplatz ein Volksfest statt, wo sich jung und alt freute und vergnügte.
Dem Herrn Oberpräsidenten wurde nachfolgendes Ergebenheitstelegramm gesandt:

„In der Vorfreude eines baldigen freien Rheinlandes feiert heute die Malberger Tellgemeinde den Abschluss ihres 43 Mal wiederholten Tellspieles, das Hunderttausende für die geliebte deutsche Heimat begeisterte, durch ein fröhliches Volksfest. Dabei gedenkt sie vor allem in Dankbarkeit ihres hohen Gönners und sendet mit den besten Wünschen für die Zukunft aus der Eifelheimat frohe Grüße“.